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Gelesen

31
Jul
2007

...

Ich muss ja jetzt auf Dan Simmons eingehen, dessen Hyperion-Gesänge in "Endymion" und die "Pforten der Zeit" eine Fortsetzung erfahren haben. Und zeichnete es sie auch noch nicht so scharf ab, spätestens bei den Folgebänden zu den Hyperion-Gesängen stellt sich die Lage so dar, dass Dan Simmons einen Vatikanthriller geschrieben hat, der in der Zukunft spielt: Auf Pacem, dem katholischen Planeten mit dem gelbem Himmel, auf dem man nach der Hegira, der Zerstörung der Erde, Sankt Peter ebenso wiederaufgebaut hat wie Castel Gandolfo. Das Universum ist fest in katholischer Hand: Dank des galaktischen Parasiten "Kruziform", der Menschen besetzt in Form eines Fleischwulstes auf der Brust und tote Leiber innerhalb von drei Tagen wieder rekonstruiert. Auferstehungschristen nennen sich diejenigen, die sich dem Parasiten gebeugt haben und so ist auch der Papst, im Jahr 247 nach der Hegira, einer, der stirbt, wiedergeboren wird durch den Einfluss des Parasiten und vom Konklave immer wieder erneut gewählt wird.
Darauf wird also noch einzugehen sein.

12
Dez
2006

Watsons Sixtinische Auktion - Leseeindruck

Der Einstieg mit dem Erdbeben in Foligno ist ja gekonnt, aber was bitte sind "Säulen rot wie Blutorangen"?
Sind sie orange mit vereinzelten roten Tüpfeln?
Und natürlich ist der neue amerikanische Papst ein ganz moderner. Priesterehe, Geburtenregelung, Scheidung, das wird er alles ganz frisch angehen, locker, amerikanisch eben.
Hm.Jetzt bin ich mal gespannt, wie Watson mich "meisterhaft in die Geheimdiplomatie des Vatikans einweihen" (Klappentext) wird.

Update: Wenn er sich dabei so anstellt wie bei der Beschreibung vatikanischer Räumlichkeiten, dann weiß ich nicht, ob ich ihm folgen werden kann.
"Jetzt geleitete die Nonne David in einen unglaublich langen Gang; er mochte wohl an die 140 Meter sein." Deutsch?
"Die Galerie bestand aus einer wahren Flucht von Räumen, die alle hintereinander lagen und durch die Verbindungstüren konnte man von einem Ende bis zum anderen schauen."
Das macht eigentlich wahre Fluchten auch aus. Die Räume liegen alle hintereinander. Man kann selbstverständlich, wenn es sich um eine Flucht handelt, von einem Ende zum anderen schauen, allerdings nicht durch die Türen hindurch. Lektoriert man bei Econ & List eigentlich noch?
"Er war natürlich schon einmal hier gewesen." Gut, aber eine Seite vorher steht, er war noch nie im Vatikanstaat. Isser jetzt also wieder draußen? Nee, er trifft tatsächlich IN einer vatikanischen Pinakothek auf den Papst, der nicht nur nach teurer Seife, sondern auch noch nach Eau de Cologne riecht.
Also wenn ich diese Infos schon brauche, dann wollen wir es aber genau wissen.

Das Problem sind die Blutorangen. Das war der erste Schnitzer, und dann fallen einem unwillkürlich immer mehr auf.

Update: SCHÖN! Jetzt kommt noch ein Tsunami auf den Marquesas. Bei den Katastrophen ist Watson wirklich gut.

Bei den Kunstauktionen auch, die verschiedenen Versteigerungen von vatikanischen Kunstwerken lesen sich sehr spannend. Auch beim furiosen Finale hat er nicht gespart.
Was auf Dauer nur etwas fade wird ist diese Erzähltechnik im Zeitraffer, lange Strecken einfach nur Zusammenfassungen von Ereignissen, dazwischen ein Telefondialog.
Und schließlich wird der amerikanische Papst, der eh zu liberal ist, auch noch abgesetzt. Auf den letzten Seiten des Buches haben wir dann das schöne Prinzip von Papst und Gegenpapst, mit dem Anti-Vatikan in Rio de Janeiro.
Das ist dann auch mal was andres.

3
Dez
2006

Akiva Goldsmans The Da Vinci Code

Das offizielle Begleitbuch zum Film. Mit Vorworten von Dan Brown, Ron Howard und Brian Grazer.

Es gibt lediglich einen einzigen guten Grund, dieses Buch zu lesen - und der heißt Akiva Goldsman.
Akiva Goldsman, der für A Beautiful Mind 2001 mehrfach ausgezeichnet wurde, ist tatsächlich ein hervorragender Drehbuchschreiber - die Umsetzung des streckenweise doch recht daherwabernden Da Vinci Codes von Brown in ein stringentes und rasantes Filmskript ist eine handwerklich gute Leistung. Wer sich fürs Drehbuchschreiben und Filmemachen generell interessiert, kriegt hier ein paar schöne Einblicke.

Den Rest kann man sich glatt schenken. Vor allem die drei Vorworte, in denen sich Romanautor, Produzent und Regisseur gegenseitig auf die Schulter klopfen und so tun, als wären sie beim größten Filmabenteuer aller Zeiten dabei gewesen (so in Fitzcarraldo-Manier), dabei haben sie eigentlich nur eine recht laue Adaption eines Megasellers geliefert.

26
Nov
2006

Philipp Vandenbergs "Purpurschatten"

"Der mysteriöse Tod seine Mutter, ein gescheitertes Attentat und andere unerklärliche Vorgänge veranlassen den Fotojournalisten Alexander Brodkas, seine eigene Vergangenheit zu erforschen. Dabei gerät er immer mehr in den Sog einer geheimen Organisation. Bestürzt muß er feststellen, daß alle Spuren nach Rom führen, hinter die Mauern des Vatikans, wo dunkle Mächte die Fäden ziehen. Und diese Männer in Purpur kennen nur ein Ziel: ihn zum Schweigen zu bringen. Gemeinsam mit seiner Geliebten stellt sich der Journalist der Heiligen Mafia, die ein beispielloses Verbrechen plant ..."

So steht es im Klappentext. Vandenbergs Thriller merkt man das Reißbrett an, auf dem er entworfen wurde. Das "Geheimnis" um Brodkas Vergangenheit hat, das wird selbst dem unaufmerksamsten Leser klar, etwas mit seinem Vater zu tun. Denn von dem ist unauffällig auffällig nie die Rede.
Eine Klerikerclique rund um den teuflischen Kardinal Smolenski (der regelmäßig einmal die Woche die Stiefel einer römischen Matrone lecken geht) benutzt einen schwachen Marionettenpapst für ihre Zwecke. Als Codenamen gaben sie sich die Namen der Götzen und Dämonen aus der Bibel.
Kardinal Smolenski verfüttert, wenn er nicht Stiefel leckt und die echten Kunstwerke des Vatikans gegen Fälschungen austauscht, Goldfische an Piranhas. Was sonst.

Trotz allem nicht unangenehm zu lesen, auch wenn man hin und wieder auf Kuriositäten wie diese trifft:
"Collin hatte sich mehr als einmal die Frage gestellt, wie eine Frau wie Juliette ohne Sex auskam. Man brauchte kein Arzt zu sein, um zu wissen, daß dieser Zustand physisch wie psychisch, ja sogar physiologisch Gefahren barg."

Persönlich ziehe ich Thriller mit mehr Schwergewicht auf religiöse Mysterien vor.
Zudem hat der Autor zwar einige Details gut recherchiert (was Fakten angeht wie Zahlen, Entfernungen, Anzahl der Heiligenstatuen etc.), aber offensichtlich keine Ahnung, wie es im Klerus wirklich zu geht. Man sollte es sich wenigstens in etwa vorstellen können und schon mal mit dem katholischen Glauben beschäftigt haben, sonst kommen eben lauter grotesk überzeichnete böse Pappkameraden bei raus.

Philipp Vandenberg
Purpurschatten
Erschienen bei Bastei Lübbe
ISBN 3-404-14771-5
8,95 €
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Vatikanthriller. Das Blog.

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